Der unw im Spiegel der Presse

31. Mai 2011 - Südwest Presse Ulm

"Biogas aus dem Keller"


Ulm. Wie kann man Biogasanlagen, die mit Speiseresten gefüttert werden, effizienter betreiben? Dieser Frage gehen die Uni-Doktoranden Frank Bengelsdorf und Manuel Zak nach. Frank Bengelsdorf (29) und Manuel Zak (31) sind als Biologen quasi das Kontrastprogramm - zu den Studentinnen, die sich mit Blütenbestäubung und Bienen befassen. Oder mit Duftstoffen. Die Gerüche, mit denen sich die beiden Doktoranden umgeben, sind etwas gewöhnungsbedürftig. Folgen wir ihnen in den Keller der Uni Ulm auf dem Oberen Eselsberg. Ein Schild weist den letzten Weg: zur Rechtsmedizin. Lassen wir die Pathologie links liegen. Wir biegen rechts ab, öffnen ein kleines Labor. Wie hat Prof. Marian Kazda, Doktorvater von Bengelsdorf und Zak, auf dem Weg nach unten gesagt? "Für diesen Job braucht es hartgesottene Männer." Der Satz erschließt sich dem Besucher per Nase. Es riecht. Heftig. Nach Kuhstall. Kühe? Fehlanzeige. Den üblen Geruch verbreiten die Proben aus der Biogasanlage, die in einer Ecke des Labors getrocknet werden.

Unmengen an Biogas produziert die Anlage nicht, dafür ist sie viel zu klein. Die vier Fermenter, Behälter also, in denen die Vergärung abläuft, fassen lediglich zehn Liter. "In einer Stunde stellen wir vier Liter Biogas her", erklärt Kazda, kommissarischer Leiter des Instituts für Systematische Botanik und Ökologie der Uni Ulm. "Das ist so viel wie eine halbe Kuh." Mit Verlaub, es riecht wie eine doppelte Kuh. Freilich: Die Menge ist nicht das Entscheidende, vielmehr geht es in dem Projekt, das die drei Ulmer Wissenschaftler seit April 2008 untersuchen, um die Effizienzsteigerung der Biogasproduktion aus Abfall. Die Landesstiftung Baden-Württemberg hat für die Forschungsarbeit 350 000 Euro locker gemacht.

Was genau wird untersucht? Beziehungsweise: Was befindet sich in den Fermentern? "All das, was auf dem Teller liegen bleibt", sagt Kazda. Fleisch, Gemüse, Salat. Verarbeitet zu einem homogenen Speiserestebrei, den die Forscher von einem zertifizierten Unternehmen beziehen. Darunter ist auch Altbrot, 20 Prozent der Bäckereiprodukte landen im Abfall, "die Beschäftigung mit unserem Müll kann das Bewusstsein erweitern", ist die Erfahrung des Biologen. Theoretisch, so Kazda weiter, müsste man jeden mal zu einem Entsorgungsunternehmen einladen. "Was da alles landet . . ."

Warum sich die drei Forscher gerade Speisereste vorgenommen haben, liegt auf der Hand. "Wir sind Biologen." Das heißt, Biogasanlagen mit nachwachsenden Rohstoffen wie Mais zu betreiben, kommt für sie nicht in Frage. Diese Pflanzen müssen extra angebaut werden. Speisereste gibt es dagegen in jeder Mensa, in jeder Kantine, in jeder Gaststätte. Häufig allerdings werden die Abfälle nicht fachgerecht entsorgt, sondern durch den Fleischwolf oder einen so genannten Abflusshäcksler getrieben. Sie landen dann im Abwasser und stellen eine organische Belastung für die Kläranlagen dar. Oder um eine andere Zahl zu nennen: 30 Prozent der gekauften Lebensmittel landen laut einer Studie in Großbritannien im Müll. Kazda: "In den Speiseresten liegt sehr viel ungenutztes Potenzial."

Manuel Zak schraubt einen der vier Fermenter auf. Puuuuh! Schnell wieder zugedreht. Der transparente Kanister daneben, sieht nicht wirklich appetitlich aus, es riecht säuerlich, nach Erbrochenem. Täglich werden 200 Milliliter Speisereste in die Biogasfermenter gekippt, nicht mehr, nicht weniger. Wird beispielsweise zu viel "zugefüttert", kann der Vergärungsprozess zum Erliegen kommen. Wird zu wenig zugefüttert, entsteht zu wenig Gas. Um diesen Prozess stabil zu halten, haben sich Bengelsdorf, Zak und Kazda an der Natur orientiert. "Die Speisereste sind ja strukturarm, nur ein flüssiger Brei und leicht zersetzbar." Also haben sie einen biologischen Träger gesucht, einen Träger, der sich langsam zersetzt und an dem sich Mikroorganismen gut ansiedeln können. Die Lösung: gehäckseltes Pflanzenmaterial, sagt Bengelsdorf, der vom Institut Mikrobiologe und Biotechnologie kommt. Um welches Pflanzenmaterial es sich handelt, darüber schweigt sich das Trio aus. Verständlicherweise, wer plaudert schon gerne seine Erfindung aus.

Wie es jetzt weitergeht? Die Untersuchungen sind fast abgeschlossen, dann werden die Doktorarbeiten geschrieben. Und wahrscheinlich die weißen Arbeitskittel weggeworfen. Den Geruch werden die beiden so schnell nicht los, "das hängt in der Nase drin", sagt Manuel Zak. Und der Ruf wird sicherlich auch an ihnen haften bleiben: hartgesottene Männer zu sein.

Zur Person: Prof. Maria Kazda
Biogasanlagen gehören eigentlich gar nicht zum Arbeitsgebiet von Prof. Marian Kazda (54). Der gebürtige Tscheche, der seit 1995 an der Uni Ulm, seit 2006 kommissarischer Leiter des Instituts für Systematische Botanik und Ökologie sowie des Botanischen Garten (2008) ist, sieht sich als Biologe in der Verantwortung für die Gesellschaft. Stichworte: Ressourcenknappheit, Klimawandel. Nicht von ungefähr war er sechs Jahre lang Vorsitzender des Ulmer Initiativkreises nachhaltige Wirtschaftsentwicklung (UNW).
Teuer produzierte Speisereste zu verbrennen, sei "energetisch sinnlos": 85 Prozent der Speisereste besteht aus Wasser, nur 15 Prozent aus fester Substanz. Nur in 800 der gegenwärtig 6000 Biogasanlagen werden organische Reststoffe verwertet.

 
26. April 2011 - Südwest Presse Ulm

"Martin Müller übernimmt unw-Vorsitz"


Ulm. Prof. Martin Müller ist neuer Vorsitzender des Ulmer Initiativkreises nachhaltige Wirtschaftsentwicklung (unw). Der Leiter der Stiftungsprofessur "Nachhaltiges Wissen, nachhaltige Bildung, nachhaltiges Wirtschaften" an der Uni Ulm übernimmt das Amt von Prof. Marian Kazda. Kazda, Professor für Systematische Botanik und Ökologie, führte den Verein seit 2005 und bleibt weiterhin dem Vorstand treu. Müller (42), seit Jahren Vorstandsmitglied des unw, will dessen Arbeit genauso engagiert fortsetzen. "Insbesonder möchte ich die Nachwuchsförderung weiter ausbauen und junge Menschen an das Thema Nachhaltigkeit heranführen sowie die Unternehmerseite des Initiativkreises stärken."
Ziel des 1993 von Wissenschaftlern, Unternehmern und OB Ivo Gönner gegründeten Initiativkreises ist es, Kooperationen und Netzwerke für dauerhaftes und beständiges Wirtschaften in der Stadt Ulm und in der Region zu etablieren.
 
24. Januar 2011 - Südwest Presse Ulm

"Ideen aus dem Drogeriemarkt"


Ulm. Beim Wettbewerb "Ideen Initiative Zukunft" werben drei regionale Projektgruppen im Neu-Ulmer DM-Markt in der Wegenerstraße bis Mittwoch für nachhaltiges Handeln und soziale Verantwortung.
Joa Bauer steht zwischen Traubenzucker und Fotoversandtaschen und wartet auf neue Kunden: "Eigentlich bin ich kein Verkäufer." Dabei will der Projektkoordinator der Aktionsplattform Nachhaltigkeit (APN) heute auch keine Lebensmittel oder Haushaltswaren an Mann und Frau bringen, sondern gute Ideen. Deshalb ist er hier. Und diese Anregungen beziehen sich bei seiner Gruppe darauf, Käufer für ein zukunftsgerichtetes Denken und Handeln zu sensibilisieren.

Die APN ist neben "Wellcome - Praktische Hilfe für Familien nach der Geburt" und "Kinder machen andere Kinder glücklich" das dritte Projektteam, das von den Organisatoren ausgesucht wurde, sich zwei Wochen lang mit Stellwänden zu präsentieren. Unter dem Motto "Jeder kann auch mit kleinen Ideen Großes bewirken", hat die Drogeriemarkt-Kette gemeinsam mit der deutschen Unesco-Kommission zu der Aktion aufgerufen.

 
Für Joa Bauer und seine Mitstreiter ist es eine prima Gelegenheit, auf die Arbeit der Aktionsplattform aufmerksam zu machen. Mit dem jungen Arbeitskreis, der im April des vergangenen Jahres gegründet wurde, hat der Ulmer Initiativkreis nachhaltige Wirtschaftsentwicklung (unw) ein Forum für engagierte Bürgerinnen und Bürger geschaffen. Bauer: "Mitmachen kann jeder. Ziel ist es, Anstöße zu geben, wie wir alle gemeinsam ökologisch, ökonomisch und sozial sinnvolles Denken in Ulm und um Ulm herum weiter fördern können."

Dies gilt für jeden Bürger, aber auch für die Unternehmer in der Stadt. Aus diesem Grund haben sich die APN-Mitglieder vor wenigen Wochen mit den Ulmer Wirtschaftsjunioren zusammengesetzt: "Bei diesem Treffen wollten wir herausfinden, wo den Verantwortlichen der lokalen Wirtschaft in Sachen Nachhaltigkeit der Schuh drückt und welche Bedeutung dieses Thema in ihrem täglichen Handeln hat." Das beginnt früh am Morgen, wenn man sich überlegt, wie man effizient und umweltbewusst an seinen Arbeitsplatz kommt. Mit Fahrrad, Bus oder eben doch dem Auto? Solchen Fragen werden sich demnächst auch einige Mitglieder der Ulmer und Neu-Ulmer Stadtverwaltung stellen, mit denen sich Bauer und sein Team im Februar treffen. "Außerdem planen wir auch Treffen mit Studenten und Pädagogen. Auch dieser Workshop ist für uns sehr wichtig, da gerade die Lehrer den Anstoß zu nachhaltigem Handeln direkt an die Schüler weitergeben können. Schließlich geht es ja auch um deren Zukunft, an die wir heute schon denken müssen und die uns alle etwas angeht."

Deshalb steht er den ganzen Tag im Drogeriemarkt. Auch wenn er eigentlich kein Verkäufer ist.

Für ein zukunftsfähiges Ulm
Die Aktionsplattform Nachhaltigkeit besteht derzeit aus etwa 15 Mitgliedern - Jungunternehmer, Wissenschaftler und Studenten -, die sich einmal im Monat in den Räumen des Neu-Ulmer IWU-Instituts treffen. Joa Bauer: "Die Teilnahme ist kostenfrei. Die einzige Voraussetzung ist der Wunsch, selbst für ein zukunftsfähiges Ulm aktiv zu werden."
Weitere Infos ...
 
10. Mai 2010 - Südwestpresse Ulm
"Ulmer Initiativkreis rückt Zukunft in den Fokus"
http://www.swp.de/ulm/lokales/ulm_neu_ulm/art4329,476336
 
Heft 04/2010 - IHK-Zeitschrift "Wirtschaft zwischen Alb und Bodensee"
"Nachhaltige Gemeinsamkeiten"
PR_IHK_April2010.pdf (939.1 KB)


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