“Vernetzte Mobilität”

Erneut ein tolles unw-Unternehmergespräch

Das unw-Unternehmergespräch „Vernetzte Mobilität“ im Frühjahr 2019 stieß auf großes Interesse. Über 40 Unternehmer*innen der Region folgten der Einladung des unw. Unser Gastgeber, die Wilken Software Group im Ulmer Industriegebiet Jungingen, sorgte in der eigenen Eventlocation ulmerflieger im Hörvelsinger Weg für ein exklusives und angenehmes Ambiente. Und unser Mitglied Dr. Hans-Ulrich Streit vom Terra Institute moderierte den Abend interessiert und kompetent. 

Portrait Ingo Wortmann

Ingo Wortmann, SWM / MVG
(Foto: © Reiner Beck)

Verkehrswende in München

Ingo Wortmann, über 14 Jahre Leiter der SWU Verkehr und nun Geschäftsführer Mobilität der Stadtwerke München SWM und Vorsitzender der Geschäftsführung der Münchener Verkehrsgesellschaft MVG, hielt spannende Informationen aus München bereit.

Bei 1,8 Millionen Einwohner*innen in München fahren die Münchener Verkehrsbetriebe täglich rund 2 Millionen Fahrgäste. Tendenz steigend. Bei jedem Fahrplanwechsel gibt es eine weitere Taktverdichtung. München will den Öffentlichen Verkehr (ÖV) stärken, dazu braucht es Flächen und deshalb befindet sich München auch in einer Flächendiskussion. Der Busbahnhof ist zu klein, hier wird intensiv nach einer geeigneten Fläche gesucht. Der motorisierte Individualverkehr hat seine Ringe in der Stadt, das will München nun auch für den Busverkehr und plant eine neue Ringlinie. Auch brauchen die 600 Busse dringend eine Busspur, sonst kommen sie nicht schnell genug voran. Insgesamt beläuft sich das Ausbauvolumen in München auf rund sechs Milliarden Euro.

Der sogenannte Umweltverbund (24 % der Verkehrsteilnehmer nutzen den ÖPNV, 18 % das Fahrrad und 24 % gehen zu Fuß), soll von 66 % auf 80 % angehoben werden. Rund 2.000 Leihfahrräder stehen in München zur Verfügung, Ziel sind 4.500. Kooperationen mit zunehmend neuen Wettbewerbern auf dem Markt der Mobilität stehen ebenfalls auf der Tagesordnung der Münchner Verkehrsbetriebe. Das Ziel bei alldem ist, dass die Münchner*innen aufs Auto verzichten können. Wortmann: „Üblicherweise kocht jeder sein eigenes Süppchen, München versucht, eine Suppe zu kochen.“

Portraifoto Daniel Paulmaier

Daniel Paulmaier, Wilken Software Group (Foto: © Reiner Beck)

Integrierte IT-Prozesse

Mobilität von Haustür zu Haustür steht auch beim Vortrag von Herrn Paulmaier von der Wilken Software Group im Vordergrund. Mobilität von A nach B wird erwartet und gewünscht, dabei ist es egal, wer sie anbietet. Herr Paulmeier trifft deshalb die Aussage: Ohne integrierte IT-Prozesse keine vernetzte Mobilität. Eine Transaktionsplattform zur Buchung und Abrechnung aller gewählten Mobilitätsformen ist deshalb notwendig: Nur eine Rechnung statt fünf. Wenn dann noch die Leistungen der Stadt und des Stadtmarketings mit ins Boot genommen werden können, kann man das wirtschaftlich hinbekommen.

Portraitfoto Joachim Müller

Joachim Müller, Husqvarna / GARDENA (Foto: © Reiner Beck)

Smarte Dienstleistungen

Herr Müller, Finanzvorstand der Firma Husqvarna und Geschäftsführer von GARDENA, stellt die Sicht eines Unternehmens in Ulm mit einem immensen Parkdruck dar. Seit ca. zwei Jahren arbeiten die drei Firmen Husqvarna, Seeberger und Uzin Utz daran, die Parksituation im Donautal durch einen smarten und flexiblen Fahrgemeinschaftsservice für Ihre täglichen Fahrten von zuhause zur Arbeitsstätte und zurück zu erleichtern. Weitere Firmen wie Teva und Wieland haben Interesse bekundet.

Welche Konzepte könnten bei dieser Problematik noch weiterhelfen? Der Bau eines Parkhauses? Das kann sich Herr Müller schon vorstellen, aber viel mehr hält er von einem intelligenten Mobilitätskonzept für das Donautal. Flexible Bediensysteme, autonom fahrende Shuttles, wie sie schon in anderen Städten wie z.B. Berlin ausprobiert werden, das wäre aus seiner Sicht die weitaus bessere Lösung.
Übrigens, junge Mitarbeiter*innen fragen vor allem Mobilitätspakete nach: Mit einem Klick wollen sie wissen, wie sie zu einem gewünschten Zeitpunkt schnell und günstig von A nach B kommen.

Fazit

Für Ulm heißt das: Wie weit sind wir in der Stadt und speziell in den Stadtwerken SWU mit der vernetzten Mobilität, mit Überlegungen zu Transaktionsplattform, Mobilitätsplattform, Ausbau und Stärkung des Öffentlichen Verkehrs, Services-on-Demand, City-Logistik?

„Wir sollten schnellstmöglich in die Diskussion über all diese Themen einsteigen“, so Frau Schäfer-Oelmayer, Organisatorin des unw-Unternehmergesprächs.