Die Welt ist größer als ein Schulbuch

Nina Riegel führt die Menschen gerne auf die richtigen Wege. Und diese führen für die Biologin – logischerweise – durch die Natur. In Ulm erkundete sie für die Lokale Agenda einen Lehr- und Naschpfad.
Diese Pflanze, da. Kann man die essen? Und diese? Wer die Augen öffnet und bewusst über Wiesen, an Gebüschen entlang und durch Wälder streift, erkennt schnell, wie vielseitig die Pflanzenwelt ist. Wohl nur einen Bruchteil der Bäume, Sträucher und Blumen können die meisten von uns richtig benennen. Zumindest geht es dem Autor dieses Berichts so. Aus diesem Grund sind wir sehr froh, dass wir heute Nina Riegel vorstellen können, die ihre Begeisterung für Flora und Fauna mit möglichst vielen Menschen teilen möchte. Mit jungen Menschen, denn die 25-Jährige, die ihren Master of Education in Biologie und Chemie an der Universität Ulm absolviert hat, möchte gerne Lehrerin werden – so wie ihre Mutter, ihr Vater und auch ihr Opa es waren. Im Januar beginnt sie ihr Referendariat. Bereits jetzt hat sie sich vorgenommen, in ihrem späteren Beruf beileibe nicht nur theoretisches Wissen zu vermitteln, sondern möchte mit ihren Schulklassen raus in die Natur: „Die Welt ist viel größer als ein Schulbuch.“ Für ihre Masterarbeit entwickelte sie im Auftrag des Landesgartenschau-Teams der Lokalen Agenda Ulm vor kurzem einen Lehr- und Naschpfad, der die Besucherinnen und Besucher im Jahr 2030 von der Wilhelmsburg an Streuobstwiesen entlang bis zum Botanischen Garten führen soll.

Giersch als Salatbeilage
Über 170 Pflanzenarten aus 44 Familien hat sie entlang des Weges über vier Monate hinweg bestimmt und dokumentiert. „Davon sind über 130 Arten ess- und nutzbar“, so die junge Wissenschaftlerin. So können Thymian und Oregano zu Gewürzen verarbeitet, Bärlauch als Pesto oder Dip verwendet werden, Giersch schmeckt lecker als Salatbeilage und Baldrian dient als Tee zur Beruhigung. Nina Riegel: „Wir möchten mit dem Projekt zeigen, wie vielfältig essbare Wildpflanzen selbst in städtischen Gebieten und der angrenzenden Natur vorkommen.“ Ihr Lieblingsbaum ist die Hainbuche, denn auf so einem Baum ist sie als Kind gerne geklettert, um hier in aller Ruhe ein Buch zu lesen. Und ihre Lieblingspflanze? Hm, schwierig zu beantworten, dazu gibt es einfach zu viele. Nina Riegel: „Die flügelartigen Blätter des Ginkgo-Baumes sind cool. Man sieht sie allerdings nicht sehr oft.“ Es sei denn, man findet den richtigen Weg.

Nina Riegel hat für die Lokale Agenda entlang der Wilhelmsburg einen Infopfad für ess- und nutzbare Wildpflanzen erkundet und dabei über 170 Arten dokumentiert.
Foto: Stefan Loeffler